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Die Geschichte des Snus

Auf der Insel Hispaniola (heute Haiti) in Westindien kamen die Europäer das erste Mal in Kontakt mit Tabak. Es war im Oktober 1492, als Kolumbus und seine Männer auf der Insel landeten. Am Strand wurden sie von Eingeborenen mit Geschenken empfangen. Sie bekamen u. a. trockene Blätter, die von den Eingeborenen als sehr wertvoll betrachtet wurden. 1497 kam der Mönch Ramon Pane in Kontakt mit dem Vorläufer des heutigen Snus, als er Kolumbus auf seiner zweiten Amerikareise folgte. Dort sah er, wie indianische Priester ein Pulver durch ein gabelförmiges Rohr in die Nase einzogen. Wie Forscher herausfanden, handelte es sich dabei um ein Tabakgemisch, bei dem Tabak nur eine Zutat war. Spanische und portugiesische Seemänner brachten die Tabakpflanze nach Europa. Mitte des 16. Jahrhunderts fingen die Ärzte in Lissabon an, das Kraut in Gärten anzubauen und für medizinische Zwecke zu verwenden. Sie glaubten, dass es u. a. Syphilis und Krebs heilen konnte. Jean Nico Bedeutungsvoll für die Entwicklung des Snusgebrauches war Jean Nicot, der französische Botschafter in Lissabon. Sein Name wurde von Carl von Linné für den lateinischen Namen der Tabakpflanze Nicotiana tabacum verwendet. Nicot kam in den 60er Jahren des 16. Jahrhunderts zum ersten Mal mit der Tabakpflanze in Kontakt, die damals in den Gärten Lissabons gezüchtet wurden. Er war von dieser so begeistert, dass er ein paar Pflanzen mit nach Paris brachte. Es wird behauptet, dass Nicot, nachdem er erfahren hatte, dass die französische Königin Katarina de Medici an chronischen Kopfschmerzen litt, ihr dazu riet, zerkleinerte Tabakblätter in die Nase einzuziehen. Die Königin folgte seinem Rat und wurde von ihren Kopfschmerzen befreit. Der Snus oder Schnupftabak wurde schnell in französischen Hofkreisen populär.

Im 17. Jahrhundert kommt der Snus nach Schweden.

Es sollte nicht lange dauern, bis der Schnupftabak in ganz Europa an Popularität gewann, da Paris das Vorbild aller europäischen Höfe war. In Schweden wurde der Snus im Jahre 1637 zum ersten Mal erwähnt. In einem Zolldokument ist zu lesen, dass Snus von Borgå in Finnland nach Schweden eingeführt wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Gebrauch von Schnupftabak für die Damen und Herren der Aristokratie zu einem Muss. Eine kostbare Tabakdose gehörte zur Ausstattung eines feinen Herrn des 18. Jahrhunderts und wurde mit Eleganz gehandhabt. Die Dosen waren kleine Meisterwerke aus Gold, Silber oder anderen edlen Materialien und wurden zu beliebten Geschenken. Das 18. Jahrhundert war für die schwedische Tabakindustrie der Durchbruch. Tabak wurde in Schonen, Gränna und in Alingsås gezüchtet, wo der „Kartoffel-Vater“ Jonas Alströmer mit dem Tabakanbau im großen Stil begann. Ende des Jahrhunderts wurde Tabak in etwa 70 schwedischen Städten angebaut.

Das Ende des Schnupftabaks.

Die Französische Revolution bedeutete das Ende für die Oberschicht, die den traditionellen Schnupftabak benutzt hatte. Nach dem Sturz Napoleons, der noch ein bekennender Genießer von Snus war, wurde es altmodisch, vielleicht sogar politisch gewagt, am Snusgebrauch festzuhalten. Das Bürgertum, das jetzt an der Macht war, ging zum Zigarrenrauchen über.

 

Neue Gewohnheiten.

Die politische Entwicklung in Schweden und der Wandel der Snusgewohnheiten fielen zusammen. Anfang des 19. Jahrhunderts, vielleicht sogar früher, fingen schwedische Snusnehmer an, die Prise unter die Lippe zu stecken. Viele von den Bauern, die ihren eigenen Tabak anbauten, stellten ihren eigenen Snus her. Der Tabak wurde in Kaffeemühlen gemahlen oder in eigenhändig geschnitzten Snusmühlen. Snusproduzenten im 19. Jahrhundert Im 19. Jahrhundert fingen Fabrikanten an, lokale Varianten von feuchtem Snus herzustellen. Bekannte Lieferanten waren Petter Schwarz mit „Röda“ Lacket und WM Hellgren mit „Generalsnus“. Am bekanntesten war jedoch die Marke „Ettan“ vom Hersteller Ljunglöf. Die in der Badstugatan in Stockholm gelegene Fabrik hat ihre Wurzeln in einer 1695 gegründeten Tabakfirma, die Jacob Fredrik Ljunglöf 1822 übernahm und zu einer weltweit führenden Snusfabrik machte. Alle schwedischen Snusproduzenten hatten ihr Sortiment in drei Qualitätsklassen, Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 3, eingeteilt. Ljunglöf gelang es jedoch, seine „Ettan“ (die Eins) als Qualitätsprodukt im ganzen Land einzuführen. „Ettan“ wurde bald zu einem Begriff im Volksmund. Sie ist noch heute eine der größten Marken und steht für ein Fünftel des gesamten Snusverkaufes. Amerika Als über eine Million Schweden zwischen 1846 und 1930 nach Amerika emigrierten, brachten sie auch schwedische Sitten und Gebräuche mit, u. a. die Tradition Snus zu nehmen. Der Gebrauch von Snus war so häufig geworden, dass die Hauptstrasse in den schwedisch-amerikanischen Stadtteilen von den Amerikanern der „Snusboulevard“ genannt wurde. Der Snus wurde für die Schweden zu einem Zeichen ihrer Identität.

Die Monopolisierung
Anfang des 20. Jahrhunderts brauchte der schwedische Staat Geld für die Armee und für die erste Rentenreform. Das Geld sollte von der Tabakindustrie genommen werden.1915 wurde, nach einer 250-jährigen Pause, wieder ein Tabakmonopol eingeführt, das von der Aktiengesellschaft „AB Svenska Tobaksmonopolet“ wahrgenommen wurde. Der Snusgebrauch nahm schnell zu und erreichte seinen Höhepunkt im Rekordjahr 1919, als 7.000 Tonnen Snus verkauft wurden. Die Einwohnerzahl Schwedens betrug damals 6 Mio. Menschen, was einen Verbrauch von 1, 2 kg pro Person bedeutete. In den folgenden Jahren war ein Rückgang des Snusgebrauchs zugunsten anderer Tabakprodukte zu beobachten, wie z. B. der immer beliebter werdenden Zigarette als einem Teil des amerikanischen Nachkriegstrends. 1970 bis heute: Ein Erfolgsmärchen Der Snus gewann Ende der 60er Jahren wieder mehr an Popularität, als Berichte auf das Gesundheitsrisiko von Zigaretten aufmerksam machten. In den 70ern wurde der portionierte Snus (Snus in Stücken gefertigt) eingeführt, welches ein wichtiger Schritt war, um ein breites Publikum zu erreichen.

Seitdem ist die Verkaufsstatistik wieder positiv. 2002 wurden 187 Mio. Dosen verkauft oder 6.750 Tonnen Snus an etwa eine Million schwedische Snusverbraucher. Nie war in Schwedens verschiedenen sozialen Schichten Snus so verbreitet und mittlerweile ist jeder fünfte Snuskonsument eine Frau.